Das Erbe der Bergler
Im präzisen, ethnographischen Stil nähert sich Erich Langjahr den Wildheuern im Muotatal. Jährlich am 1. August steigen die Männer aus den alteingesessenen Familien in die steilen Planggen des «Hinteren Heubrig». Ausgerüstet sind sie mit dem traditionellen Werkzeug: Sensen, Heugaren und Griff-Holzschuhe. Sie nehmen die Herausforderung der Natur an und bearbeiten mit grosser Sorgfalt und Beharrlichkeit die steilen Hänge. Es ist ein besonderes Erlebnis, diese Arbeit im Detail mitzuverfolgen und in den Rhythmus der Natur einzutauchen.
«Das Erbe der Bergler» ist eine Fortsetzung von Langjahrs Bergler-Trilogie, die 1996 mit «Sennen-Ballade» begann, 1998 im «Bauernkrieg» ihre politische Zuspitzung erfuhr und 2002 mit «Hirtenreise ins dritte Jahrtausend» ihren Höhepunkt erreichte. Der neue Dokumentarfilm zeichnet sich aus durch eine grosse Liebe zum Detail. Da ist einer am Werk, der sich von der alpinen Kulturlandschaft und ihren widerborstig-sympathischen Menschen faszinieren lässt. Grossartig ist die teilnehmende Beobachtung, die nach dem einfachen Leben in einer beschleunigten Gesellschaft sucht. Doch auch Langjahr ist sich bewusst, dass die Muotataler in Widersprüchen leben: Nach getaner Arbeit setzen sie sich ganz selbstverständlich aufs Motorrad oder gehen «inline skaten». Gerade diese Ehrlichkeit gibt dem Film eine besondere Note. Er reflektiert in Bildern über die Bedeutung von Tradition in der modernen Welt.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Das Erbe der Bergler», Schweiz 2006, Regie: Erich Langjahr, Dokumentarfilm, Verleih: Langjahr Film GmbH, Root, http://www.langjahr-film.ch/de.htm
Kinostart 19. Oktober 2006
«Das Erbe der Bergler» ist Film des Monats Oktober. Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: kath.ch/pdf/filmtipp_1006.pdf
