Das dunkle Gen

Frank Schauder ist Arzt und Patient: Eine schwere Depression blockierte den Mediziner, liess Selbstmordgedanken aufkeimen. Erst nach über einem Jahr besserte sich sein Zustand durch eine stationäre Behandlung und starke Medikamente. Geblieben ist Verunsicherung, weil Depression in seiner Familie seit Generationen auftritt. Er beschliesst, den Wurzeln seiner Krankheit auf den Grund zu gehen und einen Blick in seine Gene zu wagen. Die rasanten Fortschritte bei der Genom-Entschlüsselung werfen Fragen auf, die weit über seine persönliche Krankheitsgeschichte hinausgehen: Kann in naher Zukunft Leben gerettet, verändert werden? Wird das eher nützen oder schaden? Wo liegen Vorteile, wo Gefahren? Wie werden unsere Lebenspläne beeinflusst?

Der über anderthalbstündige Dokumentarfilm ist etwas lang geraten und doch so unterhaltsam wie aufschlussreich. Stark ist, dass sich Frank Schauder sowohl mit naturwissenschaftlichen Fragstellungen auseinandersetzt, als auch spielerischen und künstlerischen Perspektiven auf den Quellcode des Lebens begegnet. Er bastelt mit seinem 14-jährigen Sohn Leonard eine Genkette aus Gummibärchen. Er trifft Musiker, die den Gencode vertonen und feststellen, dass Gene so rau tönen wie es nur das Leben tun kann. Solche und andere unkonventionelle Aspekte lassen staunen und zeigen auf, dass dieses grosse und komplexe Thema nicht nur Frank Schauder, sondern uns alle betrifft.

Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld*
pfarramt@sihlfeld.ch

«Das dunkle Gen», D / CH 2014, Regie: Miriam Jakobs, Gerhard Schick, mit: Frank Schauder, Leonard Metz, Jennifer Glaus; Verleih: First Hand Films; Filmwebsite: http://www.das-dunkle-gen.de

Kinostart: 28. Mai 2015

*Thomas Schüpbach ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.