Darwin’s Nightmare

Ein Albtraum im Kino gehört gemeinhin dem Horrorgenre an. Doch was, wenn ein Dokumentarfilm einen albtraumhaften Stoff wählt? Der Afrikakenner Hubert Sauper hat in Tansania über ein bizarres Beispiel von Globalisierung recherchiert. Die Fischwirtschaft blüht am Victoriasee: Der vor 40 Jahren ausgesetzte Nil-Barsch (inzwischen auch Victoria-Barsch) vermehrt sich prächtig und wird tonnenweise exportiert. So weit, so schön, wäre da nicht die Bilanz, dass nur wenige profitieren und lokale Wirtschaftszweige mit Ausnahme der Prostitution zusammengebrochen sind.

Und wie steht es mit der Fracht, die vom Norden nach Afrika geflogen und nur nachts ausgeladen wird? Sauper reiht Eindrücke aneinander und lässt das Bild entstehen, die Beteiligten inklusive EU-Delegierte und Piloten seien Teile von Vorgängen, die auch ohne sie ablaufen würden. «Survival of the fittest» heisst dies in sozialdarwinistischem Zynismus. Nur liegt ein biologistischer Fehlschluss vor, wenn die Beschreibung eines Ist-Zustandes als Soll-Zustand akzeptiert und jedes eingreifende Handeln untersagt scheint. Ironischerweise hat ja gerade ein künstlicher Eingriff, die Ansiedelung des Nil-Barschs, die aktuelle Situation produziert. Als provokante Intervention kann nun der vielfach prämierte Film gelten, der bewusst auf düstere Bilder setzt.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Darwin’s Nightmare», Frankreich/Belgien/Österreich 2004, Regie: Hubert Sauper, Dokumentarfilm; Verleih: LOOK NOW!, Internet: http://www.looknow.ch, Filmwebsite: http://www.darwinsnightmare.com/

Kinostart: jetzt im Kino