Daratt
Die Regierung im Tschad hat eine allgemeine Amnestie für Kriegsverbrechen erlassen. Der 16-jährige Atim verlässt deshalb sein Dorf, um im Auftrag seiner Familie den Mörder seines Vaters umzubringen. Auf der Suche nach dem Unbekannten trifft Atim auf den 60-jährigen Nassara, einen Respekt gebietenden Mann, der eine Bäckerei betreibt. Atim nähert sich ihm vorsichtig, beginnt für ihn zu arbeiten, um ihn in einem unverdächtigen Moment zu erschiessen. Doch durch die Zusammenarbeit in der Backstube entwickelt sich eine seltsame Dynamik zwischen den beiden Männern. Stilistisch vertraut der Film auf feste Einstellungen, ruhige Schwenks und die Konzentration auf die Protagonisten in Nahaufnahmen. Beeindruckend ist die Präsenz der beiden Hauptdarsteller. Unvermittelt wird hier deutlich, dass zwei Menschen mit realem Kriegshintergrund diese Rollen einnehmen und diese überzeugend verkörpern.
Mahamat-Saleh Haroun gehört seit «Bye Bye Africa» und «Abouna» zu den bedeutendsten Filmschaffenden Afrikas. «Daratt» entstand im Zusammenhang mit dem 250. Geburtstag des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Der Film geht derselben Frage nach, die sich Mozart in «La clemenza di Tito» gestellt hat: Sind Vergebung und Versöhnung in unserem durch Kriege erschütterten Jahrhundert möglich? Die Stärke des Filmes liegt in seiner Art und Weise des Fragens, in der körperlichen Präsenz der Figuren und in der engagierten Erzählhaltung des Regisseurs.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Daratt», Tschad 2006, Regie: Mahamat-Saleh Haroun, Ali Barkaï, Youssouf Djaoro, Aziza Hisseine, Khayar Oumar Defallah, Djibril Ibrahim; Verleih: trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org
Kinostart: 13. September 2007
«Daratt» ist Film des Monats September. Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: medientipp.ch/pdf/filmtipp_200709.pdf
