Courage

«Wir alle haben in gewissen Situationen feige reagiert. Nicht weil wir schlecht wären, sondern weil wir schwach sind», so umschreibt Regisseur Greg Zgliński seinen neusten Film. Die beiden Brüder Jurek und Alfred haben vom Vater eine Firma übernommen. Rivalität und unterschiedliche Zukunftsideen prägen ihren Alltag. Während einer Zugfahrt beobachten die Brüder, wie eine junge Frau von einer Gruppe Hooligans belästigt wird. Jurek kommt der Frau zu Hilfe, wird aber selber Opfer der Aggression. Alfred sieht hilflos zu, wie sein Bruder aus dem Zug geworfen wird. Die Schuldgefühle für seine Feigheit verbirgt er vorerst vor seinen Nächsten bis ein Handy-Video auftaucht.

Zgliński, ein Schüler von Krzysztof Kieślowski, zeichnet anhand einer ergreifenden Familiengeschichte mit atemberaubender Genauigkeit alltägliche Verstrickungen und menschliche Reaktionen auf. «Courage» erinnert einerseits an Eifersuchtsdramen wie wir sie von biblischen Brüderpaaren wie Kain und Abel, Jakob und Esau sowie Joseph und seinen Brüdern kennen. Zudem fühlen wir uns erkannt in unseren menschlichen Schwächen. Wie weit sind wir verantwortlich für unser Tun und Lassen? Wollen und können wir unser Leben riskieren für Gerechtigkeit, für einen Menschen, der in Gefahr ist? Und wenn wir, wie Alfred, nicht so mutig sind? Können wir uns selber, können wir andern vergeben? «Courage» regt an, über den Mut zum Handeln und zum Vergeben nachzudenken.

Ingrid Glatz, reformierte Pfarrerin
iglatz@gmx.ch

«Courage» («Wymyk»), Polen 2011, Regie: Greg Zgliński, Besetzung: Robert Wieckiewicz, Lukasz Simlat, Gabriela Muskaia, Marian Dziedziel, Anna Tomaszewska; Verleih: Cinélibre, http://www.cinelibre.ch, http://www.cinelibre.ch/index.php5?action=statisch&topic=courage

Kinostart: 14. Januar 2013

«Courage» wird im Rahmen des Tourneefestivals Kino Polska gezeigt. Vom 14. bis 18. Januar finden Vorstellungen in Anwesenheit von Greg Zgliński in Bern, Zürich, Luzern, St. Gallen und Baden statt.
http://www.kino-polska.ch/kino-polska/spielplan2012.html