Country Teacher
Der Naturwissenschaftler Petr zieht vom pulsierenden Prag aufs Land, um als Dorflehrer zu unterrichten. Sein Rückzug in die Natur, die sommerlich flirrend den Film grundiert, ist eigentlich eine Flucht vor sich selbst, die freilich nicht gelingt. Bald verliebt er sich in den 18-jährigen Sohn der Bäuerin Marie, die ihrerseits Petr liebt. Unerfüllte Liebe allüberall, denn auch die Beziehung des Sohnes mit einer Gymnasiastin steht auf wackeligen Beinen.
Schmetterlinge im Bauch spürt, wer sich verliebt, aufregendes Gekitzel, das schmerzvoll ins Leere stürzt, wenn der oder die andere die Liebe nicht erwidert. Eine Erfahrung, die alle Figuren dieses tschechischen Sommergeschenks machen müssen. Sie wagen viel und scheitern zwangsläufig, sind es doch jeweils die „Falschen“, die sie lieben. Doch es ist bei weitem kein Film über blossen Herzschmerz. Vielmehr fragt er nach den Farben der Einsamkeit. Wer erfüllt leben will, muss Zuneigung nicht nur entdecken, sondern auch pflegen, gerade wenn sie als familiäres Band schon immer da war. Letztlich dreht sich alles – absichtlich oder unabsichtlich – um das biblische Votum, dass es nicht gut sei, wenn der Mensch allein ist. Pointiert zum Ausdruck gebracht ausgerechnet durch Petrs herbe Mutter als Reaktion auf sein Outing. Am Ende ist Vergebung ein zentrales Wort und der Beginn von Freundschaft voller Liebe, auch ohne letztlich erfüllt zu werden.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„Country Teacher“ („Venkovský ucitel“), Tschechien 2008, Regie: Bohdan Sláma, Darsteller: Pavel Liska, Zuzana Bydzovska, Ladislav Sedivy, Marek Daniel; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch
Kinostart: 27. August 2009
| „Country Teacher“ ist Film des Monats September. Das pdf zum Film des Monats ist abrufbar unter: medientipp.ch/pdf/filmtipp_200909.pdf |
