Corpo celeste

Die 13-jährige Marta ist in der Schweiz aufgewachsen und nun mit ihrer Mutter nach Kalabrien zurückgekehrt. Die Geschichte ihrer Re-Migration wird ausgerechnet anhand des Firmunterrichts erzählt. Hier begegnet sie dem Fremden im Eigenen. Sie macht mit und sträubt sich zugleich gegen das, was ihr begegnet. Mit Quizelementen und vermeintlich poppigen Songs versucht die rührige Katechetin Santa, die lustlosen Jugendlichen für die Firmung zu motivieren, während der eher desinteressierte Priester Don Mario an seiner Karriere bastelt. Dies alles beobachtet Marta fasziniert, aber auch befremdet. Unweigerlich setzt sie sich mit Glaubensfragen auseinander und reift darüber zu ihrer eigenen Mündigkeit heran.

Fast schon in Form einer teilnehmenden Beobachtung taucht der Film in eine süditalienische Kirchengemeinde ein. Wenn auch nicht dokumentarisch, wirkt dennoch vieles authentisch; das Nebeneinander alter Rituale und leerer Kirchenbänke sowie die verzweifelte Suche nach Zeitgemässheit. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass als Event bei der Firmung das abstrakte Leuchtröhrenkreuz in der Betonkirche durch ein altes Holzkruzifix ersetzt werden soll. Die Fahrt zu diesem Kruzifix führt Don Mario und Marta in eine Landschaft, die an den ebenfalls in Kalabrien gedrehten Jesusfilm Pasolinis erinnert. Dort wird Marta zum ersten Mal eine Bibel aufschlagen. Ein Pubertätsfilm über religiöse Reife, der zu denken gibt.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Corpo celeste», Italien/Schweiz 2011, Regie: Alice Rohrwacher, Besetzung: Yle Vianello, Savlatore Cantalupo, Pasqualina Scuncia, Anita Caprioli; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch

Kinostart: 5. April 2012