Coeur animal

Als im Januar der Schweizer Filmpreis wieder einmal in die Westschweiz ging, wurde mit «Coeur animal» ein Bergbauern-Drama ausgezeichnet, das nun in die Kinos kommt. Der Film von Séverine Cornamusaz ist durch den Roman «Rapport aux bêtes» von Noëlle Revaz inspiriert. Er dreht sich um Bauer Paul, der seine Frau härter als seine Tiere behandelt und durch einen spanischen Saisonier in seiner emotionalen Erstarrung grundlegend erschüttert wird.

Ein herausragender Bergfilm, der alles andere als idyllische Gipfelpanoramen sucht – schnell kommt «Höhenfeuer» von Fredi Murer in den Sinn. Und wenn auch völlig unterschiedliche Geschichten, noch dazu in verschiedenen Sprachregionen erzählt werden, gibt es so manchen Vergleichspunkt zwischen den beiden wuchtigen Werken: Das harte Brot der Bergbauern, das unausweichliche Angewiesensein des Menschen auf die Natur, die existenzielle Frage nach dem Miteinander. So sind die Personen zugleich beides, Figuren eben dieser Geschichte von Paul, Rosine und Eusebio einerseits und Archetypen menschlicher Existenz andererseits. Und so sehr Natur und Tierwelt einbezogen werden, dominiert die grossartige schauspielerische Leistung den Film. Nicht umsonst hat die Regisseurin ihre Schauspieler vor Drehbeginn Arbeitserfahrungen auf einem Alphof machen lassen. Auf dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg wurde der Film mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Coeur animal», Schweiz 2009, Regie: Séverine Cornamusaz, Besetzung: Olivier Rabourdin, Camille Japy, Antonio Buíl; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch; Filmwebsite: http://www.severinecornamusaz.com/Film.html

Kinostart: 20. Mai 2010