Close
Die beiden 13-jährigen Freunde Léo und Rémi sind unzertrennlich und geniessen ihren letzten Sommer, bevor sie beide in die Oberstufe kommen. Ausgelassen rennen sie über grosse Blumenfelder und liegen danach lachend im Gras. Man sieht ihre Verbundenheit auch in Léos bewunderndem Blick, wenn Rémi Oboe übt oder an ihrer körperlichen Nähe, die zugleich zärtlich, rein und unschuldig wirkt.
Diese enge Beziehung stellen die beiden Kinder nie in Frage, bis für Léo und Rémi das neue Schuljahr beginnt und plötzlich einige Klassenkameraden fragen, ob sie «ein Paar» sind. Irgendetwas an dieser Frage macht Léo Angst. Er fängt an, eher über Sport als über Musik zu reden und sich im Hockeyteam zu engagieren. Ausserdem hält er Abstand, wenn er mit Rémi zusammen ist. Dieser bemerkt die Veränderung seines besten Freundes und die Entfremdung bricht ihm das Herz.
Der belgische Drehbuchautor und Regisseur Lukas Dhont («Girl», 2018), schildert in seinem zweiten Spielfilm in ruhigen Bildern und mit exzellenten Jungdarstellern, wie eine liebevolle Freundschaft an den gesellschaftlichen Konventionen zerbricht und an den tragischen Folgen, die diese nach sich ziehen. Dabei lässt er die sozialen Kräfte hier allgegenwärtig, aber subtil wirken. Kein offenes Mobbing oder Homophobie, nur verinnerlichter Druck auf die sich noch entwickelnde Psyche. Die stille Gewissheit, dass in unseren Köpfen oft die Unterschiede mehr Gewicht haben als die Verbundenheit zueinander, ist emotional wuchtig und erschreckend.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
«Close», BE/FR/NL 2022, Regie: Lukas Dhont, Besetzung: Eden Dambrine, Gustav De Waele, Igor van Dessel, Verleih: Filmcoopi, http://www.filmcoopi.ch
Kinostart: 2. Februar 2023 – Im Streaming auf http://www.filmingo.ch erhältlich
