Cleveland Versus Wall Street
Der Schweizer Dokumentarfilmer Jean-Stéphan Bron hat mit «Mais im Bundeshuus» ein Genre wiederentdeckt: den politischen Dokumentarthriller. Mit «Cleveland Versus Wall Street» verfolgt er nun diese Spur weiter und setzt dort ein, wo die Justiz versagt hat. Er stellt die Machenschaften der Banken von Wall Street ins Zentrum und zeigt auf, wie es zur Vertreibung von 20´000 Familien aus ihren Häusern im Bundesstaat Ohio gekommen ist. Die Opfer der Finanzkrise kommen hier zu ihrem Recht. Der Prozess ist fiktiv, doch die auftretenden Protagonisten sind real, die Zeugenaussagen und Beweise entsprechen der Wirklichkeit. Die Erkenntnisse des filmisch inszenierten Gerichtsprozesses sind jedoch erschreckend.
Der Regisseur erzählt eine David-gegen-Goliath-Geschichte. Die Stadt Cleveland kämpft gegen die übermächtige Wall Street. Auf der einen Seite steht beispielsweise ein Mann, der demnächst sein Haus verlieren wird, ihm gegenüber steht ein Verfechter der Marktderegulierung. Selbstverständlich gibt es eine metaphorische Dimension in diesem Prozess, der sich unter den Augen einer Kunstfigur abspielt. Barbara Anderson steht als „The Lady in Red“ für den Gedanken des Widerstands. Die Menschen, die am Prozess auftreten erzählen ihre eigene Wahrheit. Dies ist der Grund, weshalb die Aussagen sehr authentisch wirken, trotz oder sogar wegen der starken Inszenierung des Films.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Cleveland Versus Wall Street», Schweiz/Frankreich 2010, Regie: Jean-Stéphane Bron, Dokumentarfilm; Verleih: JMH Distributions SA, Internet: http://www.jmh-distribution.ch, Filmwebsite: http://www.clevelandversuswallstreet.ch
Kinostart: 9. September 2010
