Cirkus Columbia
Mit einem knalligen Mercedes und einer attraktiven Frau auf dem Beifahrersitz kehrt Divko in sein bosnisches Heimatdorf zurück. Der Eiserne Vorhang ist gefallen, im Westen hält ihn nichts mehr. Es scheint, als könne sich der schneidige Mittfünfziger die alte Heimat einfach kaufen. Allerdings erweisen sich seine Exfrau und der gemeinsame Sohn als äusserst widerspenstig. Als seine Freundin auch noch die Seite zu wechseln droht und eine glücksbringende Katze davon läuft, sieht es für Divko nicht mehr so rosig aus. Zumal am Horizont der Bürgerkrieg aufzieht.
Danis Tanovic, der mit seinem ersten Film «No Man’s Land» berühmt wurde, wählt nun die Form einer Komödie, um die Endphase des soeben postkommunistisch gewordenen Vielvölkerstaats Jugoslawien auszuleuchten. Seine Version des Sommers 1991 ist nostalgisch durchtränkt. Liebevoll kommentiert er gleichermassen südländische Machoallüren, die Launenhaftigkeit politischer Systemwechsel sowie die gespenstische Lähmung einer Gesellschaft im Umbruch. Dabei bedient er sich typischer Sujets, Dialogwitze und praller Farben, die gerne mit balkanischem Filmschaffen in Verbindung gebracht werden. Nicht zuletzt hat seine Hauptfigur Divko in Miki Manojlovic ihre Idealbesetzung. So ist Unterhaltung garantiert, wenn auch das Lachen manchmal im Hals stecken bleibt, ob dem Ernst der Lage, der zum Auseinanderbrechen des Landes mitten durch Familien und Nachbarschaften führen wird.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Cirkus Columbia», Bosnien-Herzegowina 2010, Regie: Danis Tanovic, Besetzung: Miki Manojlovic, Boris Ler, Mira Furlan, Jelena Stupljanin, Mario Knezovic; Verleih: Filmcooperative Zürich, http://www.filmcoopi.ch
Kinostart: 16. Juni 2011
