Child’s Pose
Cornelia, eine erfolgreiche Architektin, vergöttert ihren erwachsenen Sohn Barbu. Deshalb soll er sein Leben so führen, wie sie es für ihn vorgesehen hat. Sie versteht nicht, weshalb er Hassgefühle gegen sie hegt und auf Distanz geht. Die Beziehung erschliesst sich einem vor allem durch die Dialoge; doch wie angespannt die Beziehung ist, zeigt sich auch am filmischen Stil. Die Handkamera springt von Gesicht zu Gesicht und kommt nicht zur Ruhe. Als Barbu ein Kind anfährt und es stirbt, versucht Cornelia alles, um eine Klage zu verhindern. Dabei setzt sie sich über Gesetze ebenso hinweg wie über die Gefühle der Hinterbliebenen.
Ein Film mit einer unsympathischen Hauptfigur ist ein schwieriges Unterfangen, und doch gelingt es dem rumänischen Regisseur, ihr Denken und ihre Ängste plastisch zu machen, ohne Verständnis für ihr Handeln zu fordern. Da gibt es äusserst schmerzhafte Momente, so wenn Cornelia die Familie des Opfers besucht und nur über ihren Sohn weint. Am Ende bleibt zwar alles offen, doch in einer symbolisch aufgeladenen Schlussszene schimmert die Hoffnung durch, dass die Mutter es schafft, ihren Sohn loszulassen. Das Mutter-Sohn-Drama, das zugleich die Machtverhältnisse zwischen Arm und Reich und eine korrupte Gesellschaft thematisiert, wühlt auf und beeindruckt besonders durch sein psychologisches Geschick.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Child’s Pose» («Poziția Copilului»), Rumänien 2013, Regie: Călin Peter Netzer; Besetzung: Luminiţa Gheorghiu, Bogdan Dumitrache, Ilinca Goia; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch
Kinostart: 27. Juni 2013
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