Children of Sarajevo
Als am Silvester das Feuerwerk losgeht, ducken sich der 14-jährige Nedim und seine neun Jahre ältere Schwester instinktiv. Obgleich der Bosnienkrieg 16 Jahre zurückliegt, ist er noch überall präsent. Rashimas und Nedims Eltern starben im Krieg, und hin und wieder kommen Erinnerungen hoch: Wenn etwa der Staubsaugerton an Kriegssirenen erinnert, folgen Rückblenden in Form verwackelter Aufnahmen im Amateurvideo-Stil.
Rashima arbeitet in einer Restaurantküche und sorgt für Nedim. Sie will verhindern, dass er auf die schiefe Bahn gerät. So oder so bekommen sie aber die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft und die Macht der Reichen zu spüren. So ist Nedim bei Schlägereien immer der Schuldige, niemals aber der Sohn des Ministers. Der verspottet ihn als Waise und weil Rahima ein Kopftuch trägt: Nach einer Phase als Punk ist sie gläubige Muslimin geworden. Die desillusionierte Stimmung widerspiegelt sich auf der Bildebene. Grautöne herrschen vor, Sarajevo scheint in einen düsteren Nebel getaucht, und viele Szenen spielen in der Dämmerung. Die Kamera folgt der rastlosen Rahima durch die Strassen; oft wird sie von hinten oder im Profil aufgenommen – abgewandt vom Leben. Doch lässt die Regisseurin am Ende einen Hoffnungsschimmer aufblitzen.
Da ist kein Wort zu viel in den Dialogen, da sitzt jeder Satz in diesem bewegenden Film, der aufs Essentielle reduziert ist und durch seine Klarheit und Präzision besticht.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Children of Sarajevo» («Djeca»), Bosnien-Herzegowina 2012, Regie: Aida Begić, Besetzung: Marija Pikić, Ismir Gagula, Nikola Duričko; Verleih: Trigon-Film, http://www.trigon-film.org
Kinostart: Basel, Luzern ab 28. März; Bern, Zürich ab 4. April 2013
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