Cassandra’s Dream
Wie in einer klassischen Tragödie begibt sich Woody Allen auf die Suche nach Schuld und Sühne. Er situiert seine Geschichte ganz ungewohnt in der Cockney-Gemeinschaft im Süden Londons. Die beiden Brüder Terry und Ian aus der Working-Class leben mit Poker, Wetten und teuren Freundinnen etwas über ihrem Lebensstandard. Zunehmende Geldsorgen treiben sie in die Arme der Versuchung. Beim Besuch des reichen Onkels aus China nimmt ein mörderisches Komplott seinen Lauf.
Es sind ungewohnt ernste Tonlagen, die der Regisseur hier anspielt. Das moralische Dilemma ist deutlich formuliert und konsequent umgesetzt. Der „Traum der Kassandra“ ist nicht nur das leitmotivisch eingesetzte Segelboot, sondern auch der mythologische Horizont der Geschichte. Eine solide Dramaturgie, sehr gute Schauspieler und die Musik von Philip Glass treiben den Film bis in die erlösende Katharsis. Die Verweise auf die russische Literatur und insbesondere Dostojewski sind offensichtlich. Sowohl „Die Brüder Karamasow“ in der Beziehung der beiden Brüder Terry und Ian, als auch die Motive von „Schuld und Sühne“ im direkten Zusammenhang von Verbrechen und Strafe, stehen dem Film Pate. Wer eine humanistische Bildung genossen hat, wird an diesem Film seine helle Freude haben – auch wenn er mit düsterer Leichtigkeit daherkommt.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
„Cassandra’s Dream“, USA 2007, Regie: Woody Allen, Besetzung: Colin Farrell, Ewan McGregor, Tom Wilkinson, Hayley Atwell; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch
Kinostart: 10. Januar 2008
