Calvary
Mit einer Beichtszene wird der Film «Calvary» oder «Am Sonntag bist du tot» eröffnet: Während Hauptdarsteller Brendan Gleeson in Nahaufnahme als Dorfpriester James Lavelle zu sehen ist, erzählt ihm ein Mann, dass er als Junge von einem – inzwischen verstorbenen – Priester sexuell missbraucht worden sei. An dessen Stelle werde er nun ihn, den unschuldigen Dorfpriester, am kommenden Sonntag töten. Lavelle erkennt die Stimme des Mordwilligen, bricht aber sein Beichtgeheimnis nicht. Vielmehr stellt er sich seinem Schicksal und erfüllt weiterhin seine pastoralen Pflichten. Er begegnet den unterschiedlichen Menschen in einem irischen Küstendorf und nähert sich unaufhaltsam seinem möglichen persönlichen Golgatha.
Der Film fesselt nicht nur wegen dem sich zuspitzenden Finale des angekündigten Mordes, sondern gerade auch, weil er auf vielfältige Art und Weise Lebensschicksale beleuchtet. Dabei wird eine Tür zur Vergebung aufgestossen und die Frage gestellt, ob sie der designierte Mörder letztlich durchschreiten wird. Prägnante und lebensnahe Dialoge – unterstrichen mit ausdrucksstarkem Schauspiel und überzeugender Bildsprache – greifen existentielle Themen des Alltags auf und stimmen tief nachdenklich. Der lokale Kontext der Geschichte wird gesprengt, weil sich alle erzählten Schicksale auch anderswo – nicht zuletzt im Leben und Umfeld der Zuschauenden – ereignen könnten.
Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld*
«Calvary», Irland / Grossbritannien 2014, Regie: John Michael McDonagh, Besetzung: Brendan Gleeson, Chris O’Dowd, Kelly Reilly, Verleih: Ascot Elite Entertainment Group, Internet: http://www.ascot-elite.ch, http://www.amsonntagbistdutot.de
Kinostart: 25. September 2014 – gratis zum Streamen in der SRF Mediathek (bis 29. Februar 2024)
*Thomas Schüpbach ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.
