Caché

Wie in einem Thriller nimmt Michael Haneke seinen Erzählfaden auf. Der erfolgreiche Fernsehmoderator Georges erhält anonym eine Videokassette zugeschickt. Das Bild auf dem Fernsehschirm zeigt eine feste Einstellung auf seinen Hauseingang. Offensichtlich gibt es einen heimlichen Beobachter, der bereits durch seine Präsenz bedrohlich wirkt. Mit der unerwünschten Post gerät die Beziehung zu seiner Frau Anne unter Druck. Sehr bald zeigt sich, dass eine Spirale von Geheimnissen, Misstrauen und Schuld zu drehen beginnt. In der Vergangenheit von Georges gibt es einen Schatten, der an die Oberfläche kommt.

Hervorragend von Daniel Auteuil und Juliette Binoche interpretiert, führt die Figurenkonstellation in eine nachhaltige Irritation. Michael Haneke erweist sich als scharfsinniger Analytiker der gesellschaftlichen Pathologien. Seine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit Frankreichs verweist auf die Traumata, die der Algerienkrieg in der kollektiven Psyche hinterlassen hat. In den intensivsten Momenten geht die Kamera auf Distanz und vermittelt eine kühle Beobachtung. Damit provoziert Haneke einen Reflexionsprozess, der während des Filmschauens ansetzt und weit über den offenen Schluss hinausgeht. Am Filmfestival Cannes 2005 erhielt der Regisseur den Preis der ökumenischen Jury.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Caché», Frankreich 2005, Regie: Michael Haneke, Besetzung: Daniel Auteuil, Juliette Binoche; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch

Kinostart: 12. Januar 2006

Preis der ökumenischen Jury, Cannes 2005
juryoecumenique-cannes.cef.fr/
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,1&meid=42615

Buchtipp:
Christian Wessely/Gerhard Larcher/Franz Grabner (Hg.): Michael Haneke und seine Filme. Eine Pathologie der Konsumgesellschaft. Marburg 2005.
Mit Beiträgen zum Verhältnis von Theologie und Ästhetik, Interpretationen zu seinen wichtigen Filmen, sowie zum moralischen Standpunkt des Regisseurs.