Bully
Der Film «Bully» von Larry Clark ist im sonnigen Florida angesiedelt. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe Jugendlicher, die leicht gekleidet in offenen Cabriolets herumkurven. Trotzdem ist der Film kein Sommerferienvergnügen. Thema des Films ist eine mittelständische Jugend neureicher Eltern, eine Jugend ohne Lebensperspektiven und Ziele. Ausserhalb der bedeutungslos erscheinenden Schule sind die Teenager in ihrer Freizeit der Leere und Langeweile ausgeliefert und letztlich nur mit Drogenkonsum und Sex beschäftigt.
Und dann sind da auch Rücksichtslosigkeit, Aggressivität und Gewalt, die eines Nachts am Strand in der grausamen und sinnlosen Ermordung eines Gruppenmitglieds gipfeln, ausgeführt mit einer Kaltblütigkeit, die von den Mädchen zunächst noch als «cool» betrachtet wird. «Erschreckend realistisch», taxiert der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl den Film: Tatsächlich basiert er auf einem Mord, der sich 1993 in Florida zugetragen hat.
Bobby, das 20-jährige Opfer, ist ein hübscher, agiler Junge und ein Freund von Marty. Schon lange sind sie gute Kumpels und ständig zusammen unterwegs, obwohl Bobby gewisse sadistische Züge an Mary auslebt: ihn immer wieder anpöbelt, verletzt und demütigt. Aber Marty setzt sich nicht zur Wehr. Eines Abends lernen sie zwei Mädchen kennen, wobei sich das eine in Marty verliebt und mit ihm schläft. Gleichzeitig vergeht sich Bobby an ihrer Freundin, und die Mädchen schwören Rache, ohne die Konsequenzen bedenken oder steuern zu können: Bobby töten! Warum nicht? Ein brutaler Teufelskreis nimmt seinen Lauf.
Den Eltern dieser Jungen begegnet man zunächst nur vereinzelt. Ab und zu fragt ein Vater nach dem Sohn, eine Mutter nach der Tochter – aber ein Gespräch zwischen ihnen findet nicht statt. Sie leben in getrennten Welten. Und am Ende sitzen sie im Gerichtssaal alle verständnislos beisammen, ebenso bleich und maskenhaft wie die angeklagten Jugendlichen, denen Betroffenheit kaum anzumerken ist, weil sie offenbar noch nichts verstanden haben.
Nur von den grossen Augen der kleinen Geschwister im Hintergrund lassen sich sorgende Anteilnahme ablesen und die Bitte um ein hilfreiches Gespräch, das nach dem juristisch und moralisch eindeutigen Urteil des Gerichts unausweichlich ist.
Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien
«Bully», USA 2001, Regie: Larry Clark, Verleih: Frenetic Films, Bachstrasse 8, 8038 Zürich, Telefon: +41 (0)1 483 06 60, Fax: +41 (0)1 483 06 61, E-Mail: mailto@frenetic.ch, Internet: http://www.frenetic.ch, http://www.bullythemovie.com
Kinostart: 4.Juli 2002
