Buchtipps

Der Ansatz ist lobenswert: Ein Ratgeber zum Dauerthema „Fernsehen und Familie“, der nicht zum Vornherein das Medium gering schätzt und versucht, auf Schadensbegrenzung zu machen. Leider sind die Ratschläge von Jürgen Barthelmes dann doch nicht so anders, als wir sie bereits kennen: In der Mehrzahl durchaus vernünftig, aber nicht gerade Erleuchtungen. Daran ändern auch die kurzen Bildmeditationen zu chinesisch- japanischen Schriftzeichen nichts, die aus letztlich unerfindlichen Gründen in den Text eingestreut werden. Und das Thema Computer wird zwar im Titel noch dem Fernsehen gleichgestellt, im Buch ist es dann aber doch eher ein – verkaufswirksames – Anhängsel.
Jürgen Barthelmes: Fernsehen und Computern in der Familie – Für einen kreativen Umgang mit Medien. 176 Seiten. Kösel 1999. Fr. 29.10. ISBN 3-466-30477-6

Der amerikanische Computerwissenschaftler Seymour Papert war einst Mitarbeiter des Genfer Psychologen Jean Piaget und hat in den Sechzigerjahren LOGO, eine Computersprache für Kinder, entwickelt, was ihn für europäische Bildungsbürger zum Guru in Computerfragen gemacht hat. Aber seine Ausführungen zum Thema „Kinder und Computer“ sind gar nicht so schlecht, wie man befürchten könnte: Papert versucht durchaus vernünftig und für einen Guru erstaunlich nüchtern aufzuzeigen, was es zu bedenken gilt, wenn man Computer im Klassen- und Kinderzimmer einsetzen will. Ärgerlich hingegen ist die Aufmachung des Buches. Dass alles mit banalen Lerngeschichtchen garniert wird, daran haben wir uns inzwischen in der Ratgeberliteratur gewöhnt – man kann diese Seiten getrost überblättern, ohne etwas zu verpassen. Dass dieses Buch aber grossartig mit einer CD-ROM angekündigt wird, auf der sich dann lediglich Werbeschrott eines Spielwarenfabrikanten befindet, das nährt einmal mehr den Verdacht, dass die ganze Kampagne „Kinder an den Computer“ bislang in erster Linie nicht pädagogische sondern ökonomische Bedürfnisse befriedigt hat. Seymour Papert:
Die vernetzte Familie – Kinder und Computer. Kreuz 1998. 206 Seiten (mit einer CD-ROM). Fr. 29.00. ISBN 3-7831-1638-4

Es ist die alte Geschichte vom Saulus, der zum Paulus wird. Einst gehörte Clifford Stoll zu den Pionieren des Internets, heute ist er ein glühender Internet-Skeptiker. Sein jüngstes Buch wirft auch hierzulande Wellen, denn gerade jetzt, wo bei uns trendige Erziehungsdirektoren und hippe Lehrer vom EDV-Zug erfasst werden, predigt Stoll die Computerabstinenz im Klassenzimmer. Manchmal schlägt Stolls Skepsis zwar ins Gegenextrem um – ein altbekanntes Problem aller Konvertiten – aber unter dem Strich hat er halt doch Recht. Er räumt beispielsweise mit den Märchen auf, dass alles Lernen Spass macht, wenn man nur die richtige Software hat, dass man durch Sammeln von abgelegten Informationen im Internet automatisch klüger wird, und dass in der vernetzten Schule mehr beigebracht wird als nur krudes PCAnwenderwissen. Stoll zertrümmert den pädagogischen Überbau der Forderung nach dem frühen Einsatz von Computern in den Klassenzimmern und entlarvt sie als gross angelegte Wirtschaftsförderungsmassnahme. Dass man bei uns erst hinhört, wenn ein amerikanischer Anti-Internet-Guru predigt, das ist allerdings bedenklich, zumal man auf dessen Erkenntnisse auch kommen könnte, ohne Pioniergeist eingeatmet zu haben.
Clifford Stoll: „LogOut – Warum Computer im Klassenzimmer nichts zu suchen haben und andere Hightech-Ketzereien“ Fischer S. 2001. 252 Seiten. Fr. 27.50. ISBN 3-10- 040220-0

Thomas Binotto