Brideshead Revisited

Der weitläufige Landsitz Brideshead, in dem Charles Ryder mit seiner Truppe während des Zweiten Weltkrieges einquartiert wird, ist ihm wohlbekannt. Während seiner Studienzeit in Oxford hat der Spross aus der Londoner Mittelschicht sich mit einem schwulen Adelssohn angefreundet und ihn auf seinem Anwesen besuchen dürfen. Dort verfällt er rasch dem hedonistischen Lebensstil seines Freundes, der Liebe zu dessen schöner Schwester und dem prachtvollen Familiensitz. Aber Klassenunterschiede und mehr noch der strikte Katholizismus, über dem die herrische Mutter seiner Gastgeber wacht, verhindern, dass Brideshead Charles je zur Heimat wird.

Als „das Wirken göttlicher Gnade“ beschrieb der zum Katholizismus konvertierte Autor Evelyn Waugh das Thema seines bekanntesten Romans „Brideshead Revisited“. Regisseur Julian Jarrold verortet es wesentlich profaner in der Schwierigkeit den anerzogenen Zwängen zu entkommen. Sein opulent ausgestatteter und (mit Emma Thompson und Michael Gambon als Lord und Lady Marchmain) erlesen besetzter Kostümfilm zeigt aus dem Blickwinkel des Aufsteigers Charles mit viel Melancholie eine im Untergang begriffene Welt. So einengend sie ist – keiner aus dem Liebesdreieck kann seine Gefühle ausleben – so unwiderstehlich anziehend sieht sie doch aus, zumal in den luminosen Bildern eines englischen Ausstattungsfilms im Merchant-Ivory-Stil.

Julia Marx, Filmkritikerin und Filmwissenschaftlerin

„Brideshead Revisited“, UK/USA/I/Marokko 2008, Regie: Julian Jarrold, Darsteller: Matthew Goode, Ben Whishaw, Hayley Atwell; Verleih: Pathé Films AG, Internet: http://www.pathefilms.ch, Filmwebsite: http://www.bridesheadrevisited-themovie.com

Kinostart: 20. November 2008