Blue End

Die Bilder sind zur Hauptsache blau und bergen den Schauer des Ungeheuerlichen. «Blue End» befasst sich mit dem «Visible Man», dem ersten Produkt eines digitalen Anatomie Atlas´, der online abrufbar ist. Die Daten des «sichtbaren Menschen» werden heute von über 850 Universitäten genutzt und dienen als Material für eine virtuelle Reise durch den menschlichen Körper. Hinter dieser Datenbank verbirgt sich das Schicksal von Joseph Paul Jernigan, der 1993 in den USA hingerichtet wurde. Jernigan hatte seinen Körper während seiner Haft der Wissenschaft vermacht, nicht ahnend, dass er damit als erster Mensch eine digitale Auferstehung erleben würde. Kaspar Kasics gelingt es, die Ambivalenz dieser Vorgänge aufzuzeigen. Er interessiert sich für das Zusammenspiel von Justiz und Wissenschaft, befragt sowohl die Hinterbliebenen als auch die beteiligten Forscher und Juristen. Mit einer kommentarlosen Lakonie stellt der Dokumentarfilm die Frage nach der körperlichen Integrität und Würde des Menschen. Kasics erhielt dafür den ökumenischen Preis der Kirchen an den Filmfestspielen Berlin 2001.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Blue End» , Schweiz 2000, Regie: Kaspar Kasics, Kamera: Pierre Mennel. Lang Filmverleih, Freienstein ZH.

Das Projekt „Visible Man“:
http://www.nlm.nih.gov/research/visible/visible_human.html