Beyond the Hills
Die grösste Sünde ist die Gleichgültigkeit. Sie führt zu seltsamen Reaktionen und fatalen Folgen. So auch in der orthodoxen Glaubensgemeinschaft, in der sich zwei junge Frauen begegnen. Alina besucht ihre Freundin Voichita, die als Novizin in ein Kloster eingetreten ist. Ihre Beziehung beruht auf einer gemeinsamen Erfahrung im Waisenhaus. Alina möchte mit ihrer Freundin weggehen, doch Voichita hat sich für die religiöse Berufung entschieden. In einer Verstrickung schlimmer Ereignisse und in atemberaubenden Bildkompositionen erzählt der Film von einem Exorzismus, der tödliche Folgen hat.
Die haarsträubende Geschichte aus einem rumänischen Kloster bringt die Engstirnigkeit von geschlossenen, religiösen Gemeinschaften auf den Punkt. Die Handlungslogik des orthodoxen Priesters, der Vorsteherin und ihrer Schar von untergebenen Frauen ist in der Innensicht nachvollziehbar. Und das macht gerade den Schrecken dieses Filmes aus. Cosmina Stratan und Cristina Flutur haben in Cannes für ihre Leistung den Preis für die besten Darstellerinnen gewonnen. Wie sie die Beziehung zwischen den beiden jungen Frauen darstellen ist herzergreifend. Diese Liebe trifft auf Gleichgültigkeit und Ausgrenzung der Gemeinschaft. Dabei entwickeln religiöse Motive und Lebensweisen eine unerbittliche Handlungslogik. Cristian Mungiu zeigt ohne Anklage und Polemik, wie sich das Böse im Alltag einer religiösen Gemeinschaft manifestieren kann.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Beyond the Hills», Rumänien 2012, Regie: Cristian Mungiu, Besetzung: Cosmina Stratan, Cristina Flutur, Valeriu Andriuta; Verleih: Frenetic Films, http://www.frenetic.ch
Kinostart: 18. April 2013
