Berlinale 1999: Preise der Ökumenischen Jury
An den 49. Internationalen Filmfestspielen Berlin (10. – 21. Februar) hat die Ökumenische Jury ihre Preise vergeben.
Seit 1992 sind die internationalen Filmorganisationen der evangelischen und der katholischen Kirchen – INTERFILM und OCIC – durch eine aus zehn Mitgliedern bestehende gemeinsame ökumenische Jury an den Internationalen Filmfestspielen von Berlin vertreten. Die Jury vergibt ihren Hauptpreis für einen Film aus dem offiziellen Wettbewerb, sowie je einen Preis in Höhe von 5´000.- DM für einen Film aus der Sektion „Panorama“ und aus dem Programm des Internationalen Forums.
Sie verleiht ihre Preise den Fimschaffenden, denen es mit wirklicher künstlerischer Begabung am besten gelingt, ein menschliches Verhalten oder Zeugnis zum Ausdruck zu bringen, das mit dem Evangelium in Einklang steht, oder die Zuschauerin/den Zuschauer für spirituelle, menschliche oder soziale Werte zu sensiblisieren.
Die diesjährigen Jurymitglieder waren von INTERFILM Alyda Faber (Kanada), Dr. Dietrich Neuhaus (Deutschland), Eduardo T. Panik (Brasilien), Guy Perrot (Schweiz), Birgitte Thyssen (Dänemark); von OCIC Peter Malone (Australien), Tamara Doularidze (Russland), Guido Convents (Belgien), Stefan Förner (Deutschland), Miguel Reyes Torres (Chile)
Der Preis für einen Wettbewerbsfilm geht an:
„Ça commence aujourd´hui“ (Es beginnt heute) von Bertrand Tavernier
Die Begründung der Jury: „In der heutigen Welt wird die Wirtschafts- und Sozialpolitik mit dem realen Elend von Arbeitslosigkeit und verarmten Familien nicht mehr fertig. Bertrand Tavernier öffnet die Augen und die Herzen seiner Zuschauer für die Bedürfnisse von Kindern und ihren Familien, indem er einen engagierten und einfallsreichen Lehrer zeigt, einen Menschen auf poetischer Suche, der aber auch ein ganz normaler „Nicht-Held“ ist; der Film führt uns seine Wut auf das System und seine Bürokraten, die sich hinter ihren Vorschriften verstecken, ebenso vor wie seine Fähigkeit, Kindern ein Gefühl von Sicherheit zu geben und seine berufliche und persönliche Welt zu verändern.“
Der mit DM 5.000,– dotierte Preis für den Film aus dem 14. Internationalen Panorama geht an :
„Tala med mig systrar“ (Redet mit mir, Schwestern) von Maj Wechselmann
Die Begründung der Jury: „In einer Welt, in der die Auseinandersetzung über die Aparteid überwiegend von einer männlichen Perspektive aus geführt wird, würdigt dieser Film den Widerstand von Frauen – von Schwarzen, Weissen und Inderinnen – gegen die Apartheid; sein meisterhafter Einsatz von Archivmaterial erlaubt dem Zuschauer einen tiefen Einblick in die Geschichte Südafrikas und die Komplexität des Erlebens von Gewalt, Verlust und politischer Aktion.“
Der mit DM 5.000,– dotierte Preis für den Film aus dem 29. Internationalen Forum des Jungen Films geht an:
„Dealer“ von Thomas Arslan
Die Begründung der Jury: „Can, ein junger Dealer aus dem deutsch-türkischen Milieu in Berlin-Kreuzberg, sitzt im Gefängnis. Er reflektiert seine gescheiterten Versuche, dieses Milieu zu verlassen. Obwohl seine gegenwärtige Situation trostlos erscheint – seine junge Familie ist zerbrochen – liegt eine erlösende Kraft in der schonungslosen Art, wie er die Situationen analysiert, in denen die Entscheidungen gefallen sind. In ruhigen, unaufgeregten Bildern und klaren Einstellungen wird im Rückblick aus einer ins kriminelle Milieu verstrickten Person ein Individuum, das für seine Vergangenheit Verantwortung übernimmt und darum zukünftig anders handeln kann.“
