Be with me

Aus Singapur kommt ein leiser, berührender Film, der auf eine Reise zum Sein einlädt. Er entwirft verschiedene fiktive Lebensfragmente und kombiniert diese zu einem Mosaik, das eine eigenartige Ausstrahlung bekommt. Im Zentrum dieses Mosaiks steht die reale Figur der Taubblinden Theresa Chan, die seit über fünfzig Jahren ohne Gesichts- und Gehörsinn lebt. In ruhigem Rhythmus legt der Film ihre Lebensgeschichte offen. Diese dokumentarische Authentizität wirkt wie ein Stilbruch und doch ist sie eng verwoben mit den Geschichten der fiktiven Figuren: Da gibt es die gebrochenen Liebschaften eines Mädchens, die geheime Bewunderung eines Sicherheitsangestellten für eine junge Kaderfrau sowie die Trauer eines alten Ladenbesitzers, der unter dem Tod seiner Frau leidet. Mitten in diesem Beziehungsgeflecht steht Theresa Chan, die mit ihrer Lebenserfahrung eine wohltuende Kraft ausstrahlt und die Figuren mit ihren Sehnsüchten, ihrer verhinderten Liebe und Tragik auffangen kann.

In der Wechselwirkung von fiktiven und realen Figuren erzählt der Regisseur Eric Khoo eine Geschichte, indem er einen Mosaikstein nach dem anderen hinlegt und die Betrachtenden mit einbezieht. Geduldiges Schauen ist notwendig, um mit der Zeit die Tiefenstruktur zu erkennen. In diesem Sinne ist es eine kontemplative, asiatische Ästhetik, die an die Innenseite von menschlichen Sehnsüchten und Gefühlen heranführt. Wer sich auf diesen Prozess einlässt, wird beglückt aus dem Kino kommen.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

Der Film erhielt am Filmfestival von Fribourg 2006 den Preis der Ökumenischen Jury.

«Be with me», Singapur 2005, Regie: Eric Khoo, Besetzung: Theresa Chan, Ezann Lee, Samantha Tan; Verleih: trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org

Kinostart: 14. Dezember

Das neue TRIGON-Magazin 35 enthält Beiträge zu „Be with me“ inklusive Porträt der Taubblinden Theresa Chan.
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