Au sud des nuages
Adrien lebt allein auf einem Walliser Hof hoch oben im Val d’Hérens. Trotzdem ist er nicht einsam, denn er trifft sich mit seinen Freunden, die ihn respektieren. Sie reden kaum und doch verstehen sie sich. Sie treffen sich zur Jagd, an einem Ringkuhkampf oder zu einer Reise, die sie jeden Herbst unternehmen. Dieses Jahr geht es nach China. Das Railmovie erzählt vorerst anekdotisch von dieser Reise – den Ereignissen rund um die fünf Männer. Auf dieser Ebene sind die Personen eher schweigsam bis langweilig. Für die vier alten Bauern gibt es vorerst keine Neugierde, da sie sich bereits kennen. Nur der junge Roger redet ständig und möchte in Beziehung treten, doch er hat in dieser Reisegruppe einen schweren Stand. Drei Bauern kehren vorzeitig zurück, Roger trifft eine schöne Mongolin und Adrien reist bis nach Peking.
Die Reise ist nur der äussere Anlass für eine poetische Sicht auf das Schweigen und die Einsamkeit der Figuren. Der eigentliche Dialog zwischen den neuen Erfahrungen und den verschütteten Erinnerungen findet auf einer anderen Ebene statt. Jean-François Amiguet montiert das Spiel der Geräusche, die innere Retrospektive, die archaischen Klänge und die Landschaften mit den Grossaufnahmen auf das Gesicht von Adrien und erschliesst uns damit die innere Landschaft seiner Hauptfigur. Die schnörkellose Erzählung ist herb, poetisch und jenseits aller Walliser Bergbauern-Klischees auch überzeugend.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Au sud des nuages», Schweiz 2003, Regie: Jean-François Amiguet, Besetzung: Bernard Verley, François Morel, Maurice Aufair, Verleih: Monopol Pathé Films AG, Internet: http://www.pathefilms.ch
