At Five in the Afternoon
Diese kraftvolle und poetische Auseinandersetzung mit dem Schicksal von Frauen in Afghanistan offenbart Wahrheiten über Exil, Sehnsucht und Zukunftswünsche. Noqreh, eine lebenstüchtige und selbstbewusste junge Frau, lebt mit ihrem Vater und ihrer Schwägerin im zerbombten Kabul. Sie geht gegen den Willen ihres Vaters zur Schule. Hier spielen sich eindrückliche Szenen ab. Eine Diskussion zwischen den Mädchen thematisiert die notwendigen Qualitäten einer Frau, die als Kandidatin in den Präsidentschaftswahlen auftritt. Noqreh vertritt ein neues Bild Afghanistans, eine Vision für ein islamisches Land, das auf den Kräften der Frauen aufbaut. Doch die Tradition steht dieser modernen Entwicklung im Weg. Der Vater entscheidet, dass die Familie wegziehen muss. In der Wüste ist sie in einem doppelten Sinn bedroht: Zum einen versiegen die Wasserquellen, zum anderen leiden Noqreh und ihre Schwägerin darunter von der kulturellen Öffnung des Landes abgeschnitten zu sein.
Die iranische Regisseurin Samira Makhmalbaf wirft einen kritischen Blick auf die Gesellschaft in Kabul. Atemberaubende Bilder vereinen sich mit einer sozial-politischen Sicht der Dinge. Die düstere Grundstimmung hellt sich auf, wenn unerwartet ein surrealer Humor aufblitzt. Unvergesslich bleibt ein Gedicht von Garcia Lorca, das dem Film eine interkulturelle Dimension gibt.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
„Panj é Asr“, Iran / Frankreich 2003, Regie: Samira Makhmalbaf, Besetzung: Agheleh Rezaie, Abdolgani Yousefrazi, Razi Mohebi, Marzieh Amin, Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch, http://www.makhmalbaf.com/movies.asp?m=34
Ökumenischer Preis, Filmfestival Cannes 2003
https://www.medientipp.ch/berichte/be0322.htm
