Arme Seelen

Typisch katholisch scheint das Phänomen der «Armen Seelen» zu sein. Doch das ist ein Vorurteil. Der Glaube an Ahnengeister geht auf die mythische Welt der Sagen zurück, auf magische Bilder aus vorchristlicher Zeit.  Im katholischen Volksglauben haben Sie eine neue Heimat gefunden.

Der Dokumentarist Edwin Beeler ist diesem Glauben in der Innerschweiz nachgegangen, vom Napfgebiet bis ins Schächental. In urchigen Dialekten erzählen direkt Betroffene von ihren Erlebnissen mit unerlösten Seelen. Ihre Bodenhaftung und Betroffenheit wirken authentisch. Dabei blitzt auch immer wieder Witz und Bauernschläue auf. Als Gegenpart tritt der Probst von Beromünster auf, der von seinen Erfahrungen mit Dämonenaustreibungen berichtet. Da wird dem Exorzisten etwas breit und kaum hinterfragt ein Feld zur Selbstdarstellung geboten. Etwas mehr kritische Distanz zum Gezeigten würde dem Film sicher gut tun. Beeler hat sich hingegen für die teilnehmende Beobachtung entschieden. Er interessiert sich für die religiös-kulturelle Identität im Alpenbogen, die heute kaum mehr existiert. Die Landschaftsaufnahmen, der Soundtrack und die auftretenden Figuren sind überzeugend. Sein Verdienst ist es, die knorrigen Menschen vor der Kamera zum Reden zu bringen: gegen das Vorurteil des Aberglaubens und die alles beherrschende Vernunftgläubigkeit. Dabei ist ein kulturelles Zeugnis einer schwindenden Lebensform entstanden.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Medientdienst
charles.martig@kath.ch

«Arme Seelen», Schweiz 2010, Regie: Edwin Beeler, Dokumentarfilm; Verleih Calypso Film, Calypso Film AG, http://www.calypsofilm.ch, Filmwebsite: http://www.arme-seelen.ch

Kinostart: 13. Januar 2011


Gibt es Ahnengeister?

Der Luzerner Regisseur Edwin Beeler stellt sich den Fragen von kath.ch. Ferner äussert sich Giorgio Prestele zu «Arme Seelen», der u.a. von der Katholischen Kirche im Kanton Zürich finanziell unterstützt wurde.