Antichrist
Mit seinem neusten Film «Antichrist» hat der dänische Regisseur Lars von Trier am Filmfestival von Cannes eine Kontroverse ausgelöst. Die Mischung aus Beziehungsdrama, metaphysischem Autorenkino und Horrorfilm ist schwer verdaulich. Viele falsche Fährten führen in die Irre und die Bestimmung der weiblichen Natur als das Böse schlechthin irritiert nachhaltig. Die Geschichte zeigt ein trauerndes Paar, das sich nach dem Verlust des Kindes in eine einsame Waldhütte zurückzieht. Doch dieser Ort ist kein «Eden», sondern eine Art umgekehrte Schöpfung. Die Reise ins Herz der Dunkelheit legt Abgründe und Ängste frei. Sexualität erscheint hier als eine Krankheit, die zum Tode führt.
Es geht Trier um eine sehr eindringliche Innensicht einer Paardynamik, die in einer therapeutischen Interaktion scheitert. Die Aggression führt in die gegenseitige Zerfleischung, was hier nicht als Metapher, sondern körperlich sichtbar gemacht wird. Der Film ist zu Recht Andrei Tarkowski gewidmet. Trotz dieser Hommage überschreitet «Antichrist» die Grenzlinie zwischen dem Autorenkino und dem Horrorgenre. Lars von Trier ist grandios gescheitert und hat neues filmisches Terrain erschlossen. Gäbe es immer noch die Prädikate der katholischen Filmkritik würde hier stehen: «Empfehlenswert nur für reife Erwachsene». Doch diese Zeit ist vergangen und so dürften sicherlich Therapeuten, Theologen und Lars-von-Trier-Fans dem Film etwas abgewinnen.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Antichrist», Dänemark 2009, Regie: Lars von Trier, Besetzung: Charlotte Gainsbourg, Willem Dafoe; Verleih: Ascot Elite Entertainment Group, Internet: http://www.ascot-elite.ch, Filmwebsite: http://www.antichristthemovie.com
Kinostart: 10. September 2009
| Ausführliche Filmkritik im Medienheft http://www.medienheft.ch/kritik/bibliothek/k09_MartigCharles_02.html Wer ist der «Antichrist»? – Lars von Trier sorgt für Gesprächsstoff Literatur zu Lars von Trier |
