Alpsegen

Im katholisch geprägten Alpenraum gibt es den jahrhundertealten Brauch des Alpsegens, der bis heute lebendig ist: Der Senn ruft allabendlich eine Gebetslitanei über die Alp, bei dem er Gott und die Heiligen darum bittet, seine Alp vor aller Art von Unheil zu beschützen. Dieses magisch-religiöse Ritual scheint wie aus einer anderen Ära und übt damit eine Faszination insbesondere auf die jüngere Generation aus. Der Film gibt Einblick in den Alltag des Sennerei-Berufes und fokussiert auf das religiöse Selbstverständnis der Protagonisten. Das Spektrum reicht dabei vom katholisch-traditionellen Nidwaldner Franz Ambauen bis zur naturreligiös angehauchten Mina Inauen aus Appenzell Innerhoden. Interessant sind dabei die Aussagen von jüngeren Sennen wie dem Urner Samuel Indergand oder dem Bündner Placi Giusep, die sich als Agnostiker verstehen. Dabei darf auch der geschäftstüchtige Josef Brun aus dem Entlebuch nicht fehlen, weil er den Typ des Sonntags-Pflicht-Katholiken verkörpert.

«Swissness» ist ein Trend im Kino. Auf den ersten Blick scheint sich der Dokumentarfilm auf diese Ethno-Welle zu begeben. Doch Bruno Moll hat einen weiterführenden Anspruch und will verschiedene religiös-spirituelle Zugänge zur Natur zeigen. Durch den Blick auf verschiedene Generationen von Älplern in der Innerschweiz und in Graubünden gelingt es ihm, den starken Trend zu einer universalen Religiosität in der Bevölkerung herauszuarbeiten.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Alpsegen», Schweiz 2012, Regie: Bruno Moll, Dokumentarfilm mit Franz Ambauen, Josef Brun, Mina Inauen, Samuel Indergand, Palci Giusep; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch

Kinostart: 5. April 2012

«Bhüet üs Gott allhier und überall» (Pfarrblatt Horizonte Aargau, S. 5)

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