Adoration

Simon hat seine Eltern durch einen Autounfall verloren und erfindet sich seinen Vater als arabischen Terroristen. Er wächst bei seinem Onkel auf, der sich am liebsten gar nicht mit Familiendingen beschäftigen würde. Und dann ist da noch Simons Lehrerin, die aus dem Libanon stammt und durch Schauspielern und Sich-Verstellen nach tieferen Wahrheiten sucht.

Das Personengefüge in „Adoration“ ist klein, aber derart komplex verwoben, dass keine lineare Geschichte erzählt werden kann. Dem kanadischen Regisseur armenischer Abstammung Atom Egoyan geht es nicht um das eine ´wahre´ Geschehen. Vielmehr entfaltet er ein mehrdeutiges Panorama von Lebensgeschichten, die entworfen und wieder verworfen werden, in denen sich Fakten und Fiktionen mischen. Geschickt rekurriert er auf moderne Kommunikationsmedien und ihre vermeintliche Authentizität. Im Internet verbreitet, verselbstständigt sich Simons Geschichte. In Chats ereifern sich Menschen über eine Katastrophe, die nie statt gefunden hat. Auch der Handyfilm mit den letzten Worten von Simons Grossvater spielt eine Rolle. Schnelllebigkeit, Wahrheit, Intoleranz – der Film umspielt grosse Themen und stellt mit seinem grossen Titel gleich selbst die Frage, wie das ist mit der Verehrung, die auch in Verklärung oder Verkitschung kippen kann. Die Heilige Familie jedenfalls, die in der Weihnachtszeit in Simons Vorgarten steht, ist letztlich doch nur aus Sperrholz.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

„Adoration“ („Simons Geheimnis“), Kanada 2008, Regie: Atom Egoyan, Besetzung: Arsinée Khanjian, Devon Bostick, Scott Speedman, Rachel Blanchard, Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.simonsgeheimnis.x-verleih.de

Kinostart: 3. Juli 2009
Effektiver Start: 13. August 2009

Preis der Ökumenischen Jury Cannes 2008

„Adoration“ ist Film des Monats Juli. Der Film des Monats kann als pdf geladen werden unter: medientipp.ch/pdf/filmtipp_200907.pdf