50 Jahre Kurzfilmtage Oberhausen
Mit einem neuen Zuschauerrekord endeten am 4. Mai in Oberhausen die 50. internationalen Kurzfilmtage. Doch nicht nur der Besucheransturm hatte sich im Vergleich zum Vorjahr um 15% gesteigert: Die Zahl der eingereichten Filmbeiträge erreichte mit 5´256 Filmen einen neuen Höchststand; 375 Filme wurden schliesslich am Festival gezeigt.
Ins Leben gerufen wurden die Filmtage 1954, damals noch als die „Westdeutschen Kurzfilmtage“. Gezeigt wurden in diesen Zeiten noch Kurzfilme über Bienenzucht, die Zähmung von Bazillen oder den Altenberger Dom. Doch bereits in den ersten Jahren wandelte sich das Festival zu einer Drehscheibe des künstlerisch und politisch ausdrucksvollen Kurzfilms. Für heute grosse Namen wie Werner Herzog, François Truffaut, Roman Polanski, Martin Scorsese, Agnès Varda und Wim Wenders bezeichnete die Teilnahme an den Filmtagen den Beginn ihrer Karriere.
2004 präsentierte sich das Filmfestival mit einer beträchtlichen Spannweite unterschiedlichster Filmstile: Es reichte vom avantgardistisch-experimentellen Kurzfilm über aneinandergereihte, statische Kunstbilder bis hin zum Kurzspielfilm.
Ökumenischer Preis für politischen Film
Sieben Jurys übergaben anlässlich der Preisverleihung ihre Auszeichnungen. Die Ökumenische Jury der Kirchen, mit Vertretern aus Schweden, Deutschland und der Schweiz gab ihre Auszeichnung an den Dokumentarfilm „Britanya“ der niederländischen Filmemacherin Marjoleine Boonstra. Mit einer überzeugenden, von ruhigen Bildern getragenen Filmsprache begleitet das Filmteam den illegalen Transport einer Gruppe Flüchtlinge von den Niederlanden nach England. „Zurückhaltend und sensibel gibt der Film Menschen, die nur ihre Hoffnung haben, Gesichter und Würde, Raum und Zeit“ begründete die Jury ihren Entscheid.
Mit ihrer „lobenden Erwähnung“ traf sich die ökumenische Jury mit der Überzeugung von zwei weiteren Preisverleihern: Gleich dreimal wurde der Film „Wasp“ der englischen Regisseurin Andrea Arnold ausgezeichnet. Der 23-minütige, im Dogma-Stil gedrehte Film stellt auf humorvolle Weise das aktuelle, und doch so gern verdrängte Thema der Armut in den Industrienationen in den Mittelpunkt. Eine allein erziehende Mutter von vier kleinen Kindern zeigt ihr Improvisationstalent, als sie ein Date mit ihrer Jugendliebe zu verwirklichen sucht.
Beide Filme, sowohl „Britanya“ als auch „Wasp“ widerlegen anschaulich den Vorwurf, der immer wieder an die Festivalleitung gerichtet wurde: Die Kurzfilmtage seien „unpolitisch“ geworden. Die politischen Anliegen waren unübersehbar. Doch wurden sie in der Art übermittelt, die auch sonst für die 50. internationalen Kurzfilmtage bezeichnend war: Es war über weite Strecken ein Festival der leisen Töne und der einfühlsamen, subtilen Bildsprache.
Peter Weskamp, Leiter des Medienladen
peter.weskamp@medienladen.ch
| Die Mitglieder der ökumenischen Jury 2004: Alexander Deeg, Erlangen Ylva Liljeholm, Orebrö/Schweden Wolfgang Luley, Frankfurt am Main (Präsident) Eberhard Streier, Essen Peter Weskamp, Zürich |
Die 51. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen finden vom 5. bis 10. Mai 2005 statt.
