1989, Platz des Himmlischen Friedens. Volk vs Partei (1/2)

Der Tian‘anmen-Platz in Peking, direkt gegenüber der Verbotenen Stadt, ist der grösste Platz der Welt – ein Ort, an dem das chinesische Volk und die regierende Kommunistische Partei normalerweise Einigkeit demonstrieren. Als sich hier am 15. April 1989 mehrere Tausend Studenten zu einer Trauerkundgebung für den verstorbenen ehemaligen Generalsekretär der kommunistischen Partei Chinas, Hu Yaobang, versammeln, werden Sprechchöre gegen Inflation, Korruption und Amtswillkür laut. Die Studenten fordern Menschenrechte und Demokratie und wollen darüber mit der Regierung verhandeln. Obwohl sich der damalige KP-Generalsekretär Zhao Ziyang gemässigt zeigt, lässt sein politischer Gegner, Ministerpräsident Li Peng, einige Hundert Studenten von der Polizei niederknüppeln. Daraufhin gründen die Studenten einen unabhängigen Studentenverband und besetzen am Tag der Beisetzung, dem 22. April, mit 200’000 Menschen den Platz gegenüber der Grossen Halle des Volkes, wo die offizielle Trauerfeier abgehalten wird. Parteipatriarch Deng Xiaoping lässt das Kriegsrecht verhängen, die Bewohner Pekings gehen auf die Strasse