13. Internationales Filmfestival Freiburg
Vom 7. bis 14. März fand das Internationale Filmfestival von Freiburg statt. Im dreizehnten Jahr seines Bestehens konnte das Festival einen neuen Besucherrekord verzeichnen. Mehrere Filme erzählten von der Verschiedenheit menschlicher Lebenswelten, ihrer Posie und Kraft; aber auch deren Bedrohung durch Gewalt und Ungerechtigkeit.
Das Filmfestival Freiburg kann sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Bereits 1998 stiegen die Besucherzahlen gegenüber 1997 um fast 50 Prozent. Dieses Jahr kamen insgesamt 21´000 Zuschauer/-innen, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Medien waren am diesjährigen Festival zahlreich vertreten, und erstmals waren Bilder aus Freiburg beispielsweise im Fernsehen und in Zeitungen von China, Kuweit, Japan und Ägypten zu sehen.
Rückblick in die Geschichte
Die letzte Ausgabe des Festivals in diesem Jahrtausend war für FilmemacherInnen aus dem Süden wiederum das Podium, einem interessierten Publikum ihre Sicht der Welt näherzubringen. Mehrere der gezeigten Filme erzählten, wie Menschen – als Einzelpersonen oder als Kollektiv -mit der Geschichte umgehen. So zum Beispiel der Film „Darb al-Tabanat“ („Die Milchstrasse“) von Ali Nassar, eine palästinensisch-israelische Koproduktion. Die Handlung ist 1964 in einem Dorf in Galiläa angesiedelt und beschreibt auf dramatische Wiese die Parallele zwischen inneren Kämpfen und äusserer Unterdrückung.
Vom menschlichen Dasein
Viele Filme stellten die Frage nach dem menschlichen Leben. In nicht weniger als drei Filmtiteln im Wettbewerb wurde diese Thematik auch sprachlich greifbar (und alle drei wurden mit Preisen oder lobenden Erwähnungen bedacht): In „Life on Earth“ („Das Leben auf Erden“) schildert Abderrahman Sissako aus Mali das alltägliche Leben in einem afrikanischen Dorf, dessen Rhythmus so gar nicht passen will zum westlichen Konzept von „time is money“. „After life“ („Nach dem Leben“) des Japaners Hirokazu Kore-eda ist die einfühlsame Annäherung an das, was auch in der Moderne ein Geheimnis bleibt: Der Tod, das Erinnern und der Sinn des menschlichen Daseins. Und „La Vida es silbar“ („Das Leben ist Pfeifen“), das neueste Werk des kubanischen Regisseurs Fernando Pérez, schildert die Suche nach dem Glück und nach einer Heimat mit Perspektiven.
„Life on Earth – La Vie Sur Terre – Das Leben auf Erden“; der Titel des diesjährigen Hauptpreisträgers drückt aus, was Filmemacher/-innen aus aller Welt uns mitteilen möchten: Genau hinzuschauen, was ist; zu erträumen, was sein könnte und die Mittel zu finden, um ein menschenwürdiges Leben für alle möglich zu machen.
Esther Gisler
Mitglieder der Ökumenischen Jury 1999
Die Preisträger 1999
– Preis der Ökumenischen Jury an: „Life on Earth“ („Das Leben auf Erden“) von Abderrahame Sissako, Mauretanien/Mali.
Begründung der Jury: „Für seine Intelligenz, Vielschichtigkeit, seinen Humor und seine Bilder voller Poesie. Der Regisseur lädt uns zur Begegnung mit Männern und Frauen ein, die trotz Existenzbedrohung eine grosse Menschlichkeit ausstrahlen. Angesichts einer westlichen Lebensanschauung, in der selbst die Zeit zur Ware geworden ist, fordert er uns eindringlich auf, innezuhalten und ein Mittel zu finden, um im Norden wie im Süden ein menschenwürdiges Leben für alle zu ermöglichen.“
– Grand Prix „Le Regard d´Or“ an: „Life on Earth“ von Abderrahame Sissako, Mauretanien/Mali.
– Kurzfilmpreis an: „La Falaise“ („Die Klippe“) von Faouzi Bensaida, Frankreich/Marokko.
