1:1
Mie und Shadi sind das perfekte Multikultipärchen, eine dänische Schülerin und der Sohn palästinensischer Einwanderer. Als Mies Bruder zusammengeschlagen wird und ins Koma fällt, bröckelt ihre Welt, denn Shadis Bruder gerät unter Verdacht. Eine Zerreissprobe sondergleichen beginnt.
Wenn der Plot zunächst wie eine mit Sozialkitsch angereicherte Integrations-Lovestory klingt, täuscht dies. Annette K. Olesen seziert in ihrem Film die Personen aufs Genaueste und schaut ihnen im Massstab Eins zu Eins ins Gesicht. Sie zeigt, wie Argwohn gesät wird und Angst den Boden für Vorurteile und Gewalt bereitet. Dass die Figuren trotz stereotyper Anlage – hier die idealistische Sozialarbeiterin, dort der hart arbeitende, aufrechte Einwanderer – nie zu Stereotypen gefrieren, ist den Darstellenden zu verdanken, fast ausschliesslich Laien, die in realistischer Unmittelbarkeit agieren.
Der Film hält geschickt offen, wann und warum das Zusammenleben immer schlechter funktioniert, die Mechanismen des Misstrauens dafür um so besser. Olesen hat den passenden Schauplatz gewählt: Eine einst als Wohnutopie geplante Mustersiedlung, die heute als Betonwüste mit vermeintlich hoher Ausländerkriminalität erscheint, ohne dass auch nur ein einziger Stein verändert wurde. Gelingen und Scheitern können erschreckend nahe beieinander liegen. „1:1“ sahnte an den Nordischen Filmtagen in Lübeck ab und gewann u.a. den Preis der kirchlichen Jury Interfilm.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„1:1“ (En til en), Dänemark 2005, Regie: Annette K. Olesen, Darsteller: Mohammed-Ali Bakier, Joy K. Peteresen, Anette Støvelbæk, Helle Hertz; Verleih: LOOK NOW!, Internet: http://www.looknow.ch
Kinostart: 26. Juli 2007
