Freibad

Es ist Sommer und in der einzigen Frauenbadi Deutschlands deshalb viel los. Diversität wird hier grossgeschrieben. Es gibt eine dunkelhäutige Schweizer Bademeisterin, eine Trans-Kioskverkäuferin, einen türkischen Clan mit innerfamiliären Konflikten, dicke und dünne Gäste sowie Stammdiven, die sich gerne auch einmal oben ohne sonnen.

Als verhüllte Niqab-Trägerinnen plötzlich in Scharen in das Schwimmbad einfallen, ist es jedoch mit der Ruhe vorbei. Wo vorher höchstens die Grillaktion der Türkinnen zu reden gab, ereifern sich plötzlich alle darüber, dass sie für den Feminismus umsonst gekämpft hätten.

Es kracht an allen Ecken und Enden und die Bademeisterin schmeisst entnervt das Handtuch. Dafür taucht als Nachfolge ausgerechnet eine männliche Aufsichtsperson auf, was die Situation vollends eskalieren lässt.

Regisseurin Doris Dörrie entlarvt in ihrem neuen Film auf humorvolle Art die religiösen und gesellschaftlichen Vorurteile im Mikrokosmos Frauenbadi. Der Film beruht auf Vorfällen, die sich vor mehreren Jahren in ähnlicher Weise in Frauenbadis in Deutschland und der Schweiz zugetragen haben.

Obwohl «Freibad» hier und da vielleicht zu sehr in den Klamauk verfällt, steckt hinter all dem augenzwinkernden Witz doch ein ernster Kern. Die Botschaft, nach dem verbindenden Element – nämlich dem gemeinsamen Freiheitsgefühl – zu suchen, anstatt nach dem, was uns trennt, ist zwar nicht neu. Entlarvend ist es aber, zu sehen, wie sehr die Frauenbadi unseren Alltag spiegelt.

Sarah Stutte, Filmjournalistin

«Freibad», Deutschland 2022; Regie: Doris Dörrie; Protagonist*innen: Andrea Sawatzki, Nilam Farooq, Sabrina Amati, Verleih: Praesen; Filmseite: https://www.praesens.com/praesens-pro-presse/katalog/freibad/

Ab 01. September im Kino