Rimini

Richie Bravo war einst ein gefeierter Schlagerstar. Nun finanziert er sein Leben mit Auftritten vor gealterten Fans und Liebesdiensten an reifen Frauen. In einer kitschig-verwitterten Betonvilla in Rimini fristet er sein Leben und vertreibt sich die Zeit mit Alkohol und Glücksspielen, bis seine Tochter auftaucht. Mit diesem unerwarteten Besuch und dem Tod seiner Mutter holt ihn seine Vergangenheit dramatisch ein.

Ulrich Seidels neuster Film ist eine Ballade an die Einsamkeit vor dem Hintergrund eines kalten und grauen Riminis. Dieser Eindruck verstärkt sich durch den im Winter verlassenen Touristenort, der nur noch einigen Flüchtlingen und Wohnungslosen eine Heimat bietet. Seidel zeigt in dieser Umgebung mit einer schmerzhaft entblössenden Kameraführung Menschen, die auf der Suche nach Gemeinschaft, Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit sind. Eine Darstellung des modernen Wohlstandsproletariats, welches in seinem Überlebenskampf nach ein wenig Glück strebt.

Der Film wirkt zuweilen wie eine Dokumentation. Man sieht keine Schauspielerinnen und Schauspieler. Man sieht Menschen. Das ist künstlerisch faszinierend wie auch quälend intensiv. Seidel verwebt Charaktere, Ort und Handlung mehr zu einem Bild als zu einer Geschichte.

«Rimini» ist ein Film, der uns zeigt, was wir Menschen alles tun, um der Einsamkeit zu entfliehen. Er zeigt uns aber auch, dass das Leben trotz seiner Garstigkeit mit dem richtigen Lied auf den Lippen ganz viel Hoffnung bieten kann.

Silvan Maximilian Hohl, Multimediaproduzent

«Rimini», Österreich/Frankreich/Deutschland 2022; Regie: Ulrich Seidel; Mit: Michael Thomas, Tessa Göttlicher, Hans-Michael Rehberg; Verleih: Xenix Filmdistributions Gmbh, Filmwebsite: http://www.xenixfilm.ch/de/film_info.php?ID=12038

Ab 6. Oktober 2022 im Kino