Pushing Boundaries

Als Wladimir Putin 2014 russische Soldaten in der Krim einmarschieren lässt, tragen die Paralympics-Athlet*innen in Sotschi ihre olympischen Wettkämpfe aus. Der Anlass steht unter dem Motto «Pushing Boundaries», weil die Athlet*innen immer wieder physische und psychische Grenzen überschreiten.

Durch die Annexion der Krim bekommt «Pushing Boundaries» eine ganz neue, geopolitische Bedeutung: Russland hat mit Militärgewalt die Grenzen verschoben und dabei einen Teil der Ukraine amputiert.

Das Leben für die Bewohner*innen der Krim und der Donbass-Region wird kompliziert. Auch die ukrainischen Paralympics-Athlet*innen können sich nicht normal auf die Sommerspiele in Rio 2016 vorbereiten. Ihre Trainingsanlage befindet sich auf der Krim.

Trotzdem geben sie nicht auf, stemmen Gewichte in heruntergekommenen Gyms, üben taktische Spielzüge in Kellern oder trainieren Ausdauer im Pendlerverkehr. Ans Aufgeben denkt keine*r – auch wenn es schwierig ist, sich zu konzentrieren, wenn nur wenige Kilometer entfernt, beständig Schüsse fallen. Die Athlet*innen werden zwar behindert, aber sie sind es nicht!

Lesia Kordonets Dokumentarfilm begleitet die ukrainischen Funktionäre und Athlet*innen über mehrere Monate. Für sie alle hat ein Sieg in Rio nunmehr auch eine identitätspolitische Bedeutung. So steht «Pushing Boundaries» auch als Erklärung für die enorme Widerstandskraft der Ukrainer*innen im aktuellen Krieg.

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«Pushing Boundaries», Schweiz  2021; Regie: Lesia Kordonets; ProtagonistInnen: Valeriy Sushkevytch, Angelika Churkina, Alla Lysenko; Verleih: Royal Film, https://www.royal-film.ch/

Ab 28. Juli 2022 im Kino – aktuell gratis zum Streamen auf playsuisse