(Im)mortels

«Was kommt nach dem Tod?» Lila Ribi stellt ihrer über 90-jährigen Grossmutter immer wieder dieselben Fragen. Beim gemeinsamen z’Vieri in der Küche, beim Spazieren über den Friedhof und beim «Sünnele» vor dem Haus. Antworten bekommt sie aber nur selten. Und wenn, dann sind sie kurz und endgültig: «Nach dem Tod? Da gibt es nichts!»

Denn viel lieber als über das Sterben und den Tod spricht Grand-mère Greti über irdische Belange: die psychischen Folgen des Portemonnaieraubs in der Migros oder den Verlust der Freiheit, weil sie ihren Führerausweis abgeben muss.

Lila Ribi, die eine sehr enge Beziehung zur Grossmutter pflegt, begleitet diese mit der Kamera während der letzten Lebensjahre bis hin zum Tod und darüber hinaus…?! «(Im)mortels» zeigt auf sensible Weise die Palette an unterschiedlichen Todes- und Jenseitsszenarien auf, ohne diese zu bewerten. Je nach Persönlichkeit spenden andere Vorstellungen Trost und Hoffnung. Ob der Tod wirklich das Ende ist oder ob wir uns Sterben und Tod etwa als «Lebensphase» – wie Schwangerschaft und Geburt – vorstellen wollen, das überlässt der Dokumentarfilm uns allein.

Grossmutter Gretis langsames Vergehen berührt tief, weil wir ihre zunehmenden Einschränkungen, ihr Verdrängen und Hadern mit der Gebrechlichkeit genauso nachvollziehen können, wie die Verlustangst der Enkelin. «(Im)mortels» konfrontiert uns mit einem fundamentalen Problem der heutigen Gesellschaft; dem gut verdrängten Tod und der furchterregenden Ungewissheit darüber, was sein wird.

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«(Im)mortels», Schweiz 2021; Regie: Lila Ribi; Protagonist*Innen: Greti Aebi, Lukas Imbach, Christelle Dubois; Verleih: Filmbüro

Ab 14. April 2022 im Kino