Otar’s Death
Ein Blick aufs Handy, ein Widerstand, es rüttelt, vorbei. Schon kommt ein Mann gerannt und ruft entsetzt: «Grossvater!». Der 16-jährigen Nika bleibt wie versteinert im Auto sitzen, während der Mann in Panik schreit und sich vor dem Wagen zu schaffen macht.
Der über 80-jährige Otar ist tot. Nika hat in aus Unachtsamkeit getötet. Tamara, Otars Tochter verlangt 30’000 Lari dafür, dass sie keine Anzeige gegen Nika erstattet.
Nikas Mutter Keti, selbst stets knapp bei Kasse, versucht nun fieberhaft das Geld aufzutreiben. Sie fühlt sich mitschuldig am Tod von Otar und will nicht, dass ihr adoleszenter Sohn ins Gefängnis muss.
Anders als Keti und Nika lebt Tamara mit ihrem erwachsenen Sohn Oto und Vater Otar nicht in Tiflis, sondern auf dem Land in einfachsten Verhältnissen. Mit dem Schweigegeld möchte Tamara in die Stadt ziehen. Dort sieht sie eine Perspektive für sich und Oto. Aber dann kommt für beide Familien alles ganz anders…
Einer Parabel gleich schildert Ioseb Bliadzes Regiedebüt den heutigen Zustand Georgiens, indem er die Geschichte zweier Familien erzählt, die durch einen Unglücksfall miteinander verbunden sind. Die Wünsche und Träume der Mütter und Söhne scheitern an der Realität; Ihre Probleme widerspiegeln das Spannungsverhältnis zwischen Stadt und Land, zwischen Aufbruch und Resignation in Georgien. Die markante Abwesenheit der Väter verweist darauf, wie selten Ideal und Realität deckungsgleich sind. Eine feine Tragikomödie über Schuld und Verantwortung.
Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp
«Otar’s Death», Georgien 2021; Regie: Ioseb Bliadze; ProtagonistInnen: Iva Kimeridze, Nutsa Kukhianidze, Eka Chavleishvili; Verleih: Trigon; Filmwebseite: https://www.trigon-film.org/de/movies/otars_death
Ab 24. Februar 2022 im Kino
