Evangelische Perspektiven. Frieden im Krieg

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs, im Sommer 1914, glaubten noch viele, dass der Krieg bald schon wieder zu Ende sein könnte. Doch bis Weihnachten 1914 waren bereits eine Million Soldaten ums Leben gekommen. Die Katastrophe war da. Verzweiflung, Angst und Kälte herrschte in den Schützengräben. Doch dann öffnete sich an Weihnachten 1914 eine neue Perspektive für manche Frontsoldaten. Spontan feierten an zahlreichen Frontabschnitten die Erzfeinde miteinander Weihnachten. Ein Friedensfest mitten im Krieg. Lang ging dieser Friede nicht, vielmehr steuerte Hass und Gewalt nach dem ersten Weltkrieg auf einen weiteren Krieg zu. Umso wichtiger war die erste Friedensweihnacht 1945. Im oberbayerischen Icking wurden die Kinder des Dorfs von den amerikanischen Besatzungssoldaten zum Weihnachtsfest eingeladen. Ein Weihnachtsfest das noch heute für Raymund Rössler und Marianne Lehr unvergessen ist. Zumal es an dem Abend zuging wie im Schlaraffenland: Schokolade und Kaugummis, aber auch Orangen und Apfelsinen – also Dinge, die sie noch nie gesehen hatten, schenkten die Amerikaner den Kindern, die ihr Glück nicht fassen konnten