Katholische Welt. Die Münchener Möhlstrasse Eine – nicht nur – jüdische Nachkriegsgeschichte

Es gibt sie noch, die Möhlstrasse in München-Bogenhausen. Ihre bewegte Geschichte allerdings sieht man ihr nicht mehr an. Die schicken Häuser und alten Villen beherbergen Büros und teure Wohnungen, in den Tiefgaragen parkt manche Luxuslimousine. In der Nazizeit lebten mächtige Parteifunktionäre hier und in den benachbarten Strassen, einige in enteigneten und «arisierten» Häusern. 1945 beschlagnahmten die amerikanischen Besatzer etliche der Villen in der weitgehend unzerstörten Gegend und teilten sie jüdischen Hilfsorganisationen zu, die sich um die Überlebenden der Konzentrationslager aus den DP-Camps rund um München kümmerten. In der Möhlstrasse entstand unmittelbar nach dem Krieg ein Zentrum jüdischen Lebens, das sich nur wenige Monate zuvor niemand hätte vorstellen können. Die verzweifelte Suche nach Angehörigen; der dringende Wunsch, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen; die Entschlossenheit, ein neues Leben zu beginnen; die traumatischen Erinnerungen – all das prägte das Leben in dieser Strasse, die von den nichtjüdischen Münchnern mit Argwohn beobachtet wurde