Evangelische Perspektiven. Von Menschen und Bienen

Menschen und Bienen – ein kompliziertes Verhältnis. Obwohl wir von der Biene als Pflanzenbestäuberin und Honiglieferantin abhängig sind, begegnen wir ihr als Räuber und Eindringling, der ihren Lebensraum zerstört. Zugleich verehren Menschen die Bienen seit Jahrtausenden: Schon früh fand die Biene Eingang in fast alle Religionen. Ihr Honig galt bei Germanen, Hindus, Griechen und Ägyptern als die Speise der Götter, der man bis heute besondere Heilkräfte nachsagt. Der sprichwörtliche Fleiss der Bienen ist nicht nur im Christentum ethisches Vorbild für den tüchtigen, asketischen Menschen, der dem Müssiggang und anderen Lastern trotzt. So war der emsige Bienenstock bis in die frühe Neuzeit hinein die perfekte Metapher für klösterliches Leben. In der Philosophie ist der Bienenstock beliebtes Exempel für Gedankenspiele zu Staat, Gesellschaft und Utopie. Sogar unser Schicksal als Spezies ist eng mit dem der Bienen verknüpft. Denn wenn die Biene stirbt, stirbt auch der Mensch. Sind die Bienen und wir also noch zu retten?