Risse durch Europa

Cristina Sfriso ist verbittert. Die Glasbläserin, die auf der Insel Murano arbeitet und viele Jahre gut vom Tourismus in Venedig gelebt hat, hat seit Beginn der Corona-Krise im März kein Einkommen mehr. Staatliche Unterstützung – Fehlanzeige. Obwohl die Regierung in Rom schnell zahlreiche Massnahmen zur Stabilisierung und Belebung der Wirtschaft angekündigt hatte. Monatelang mussten die Menschen in Italien auf ihr Kurzarbeitergeld warten. Oder scheiterten an komplizierten Anträgen für Überbrückungsgelder. Die italienische Verwaltung war überfordert, ihre Strukturen brachen unter dem Ansturm zusammen. Die Corona-Krise hat in zahlreichen Staaten Europas die Schwachstellen erbarmungslos offengelegt. Gesundheitssysteme, die auf Notfälle nicht vorbereitet sind. Unzureichende soziale Sicherungssysteme, die die Menschen zu den Tafeln treiben, wo sie wenigstens genug zu essen bekommen. Aber die Pandemie zeigt auch, wie Politiker die Krise zu ihren Gunsten ausnutzen – etwa Viktor Orbán, der den Druck auf die Medien seines Landes immer weiter verschärft