Pornotropic
«Pornotropic – Heisse Küste» von Marguerite Duras bietet eine ganz neue, ikonoklastische Lektüre des autobiografischen Romans der französischen Schriftstellerin. In ihrem 1950, also zu Beginn der Dekolonisierung, erschienenen und entschieden anti-kolonialistischen Buch zeichnet Marguerite Duras ein zugleich persönliches und politisches Portrait des damaligen Französisch-Indochinas. Sie arbeitet unter anderem heraus, welche Rolle die körperliche und sexuelle Unterwerfung in den kolonialistischen Machtbeziehungen spielte: Wilde Ehe, Prostitution, Vergewaltigung, Zwangsarbeit und die systematische Erniedrigung der einheimischen Bevölkerung waren Mechanismen, derer sich die europäischen Siedler bedienten, um aus den Kolonien grösstmöglichen Profit zu schlagen. Die Unterwerfung der Menschen in den Kolonien war aber nicht nur körperlicher, sondern auch ideologischer Art. Die Dokumentation lässt anhand von Auszügen aus dem Buch und unveröffentlichten Filmaufnahmen von Soldaten und Siedlern aus dem Französisch-Indochina der 1920er und 30er all die Menschen wiederaufleben, die in der offiziellen Geschichte keinen Platz haben. Darunter einheimische Sexarbeiterinnen oder sklavengleiche Arbeiter der grossen französischen Industriefirmen
