Sternstunde Religion. Heimliche Homosexualität im Vatikan? Frédéric Martel im Gespräch

Dass der Vatikan ein Problem mit Männern hat, die Männer lieben, ist bekannt. Dass das Machtzentrum der römisch-katholischen Kirche aber gleichzeitig eine der grössten schwulen Communities weltweit sein soll, das war vielen neu, als Frédéric Martel diese These 2019 in die Welt trug. Mit seiner These, wonach die Mehrheit der Prälaten, Bischöfe und Kardinäle des Vatikans schwul seien, generierte der französische Soziologe und Journalist Frédéric Martel im Frühling 2019 viel Aufmerksamkeit, aber auch Unverständnis. Sein Buch «Sodom» erschien zeitgleich in acht Sprachen und Martel wurde in unzählige Talkshows eingeladen, doch der Vatikan hüllte sich in Schweigen. Wer sich in den 30er-, 40er- und 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts als junger Mann irgendwie anders – eben homosexuell – fühlte, fand in der römisch-katholischen Kirche eine Oase, so Martel in seinem Buch. Gegen aussen seien diese in der Regel sehr alten Männer nun homophob, gegen innen aber homophil. Dies führe zu einer gefährlichen Doppelmoral …