Philosophie. Der Mensch als Zuschauer

Im jüngsten Werk des politischen Philosophen Christian Ruby geht es um die Entstehung und Wandlung des Zuschauerbegriffs. Was bedeutet es im demokratischen Zeitalter, Zuschauer zu sein? Wenn jeder stets aufgefordert ist, sich aktiv am schöpferischen Prozess zu beteiligen, inwiefern kann er dann noch Zuschauer sein? Wenn alle Künstler sind, ist es dann im Grunde keiner? Zuschauer zu sein, bedeutet zu beobachten, zu betrachten – doch das ist keine passive Haltung: Dazu gehört das aufmerksame Studieren, Sondieren, Erforschen der Inszenierung und damit seine aktive Mitgestaltung. Ist der Zuschauer immer auch Schöpfer des Schauspiels, dem er beiwohnt? Ist der unbeteiligte, neutrale Zuschauer eine Fiktion? Woher kommt diese Illusion, Zuschauer zu sein» sei ein passiver Zustand, hätte nichts mit einer handelnden Person zu tun?