Katholische Welt. Johannes Tauler

Der Eintritt in die zweite Lebenshälfte hält jede Menge Überraschungen für uns bereit. Doch es ist nicht nur die Gleitsichtbrille, an die wir uns langsam gewöhnen müssen. Für die meisten Menschen ist dies auch eine Zeit der intensiven Auseinandersetzung mit spirituellen Fragen – nach dem Woher, Wohin und Warum – kurz nach dem Sinn des eigenen Daseins. An diesem Wendepunkt unseres Lebens suchen wir verstärkt nach Halt, der paradoxerweise im Nicht-Fassbaren liegt. Der Weg in die zweite Lebenshälfte kann zu einer erfüllenden Spiritualität führen. Kaum einen kompetenteren Wegkundigen kann es dabei geben als den Mystiker Johannes Tauler. Tauler, dessen Denken stark von seinem Mitbruder Meister Eckhart beeinflusst wurde, war fest davon überzeugt, dass echte Gotteserfahrung und «wahrer, innerer Friede» erst um die vierzig möglich sei. Kein Mystiker hatte einen so scharfen Blick für die unterschiedlichen spirituellen Bedürfnisse und Fähigkeiten in den einzelnen Lebensphasen wie Johannes Tauler