Tsatsiki, Mama und der Polizist

Der Film erzählt die Geschichte von einer alleinerziehenden, starken Mutter und ihrem quirligen Sohn in vielschichtigen Aspekten liebevoll, heiter und oft auch witzig auf eine kindergerechte Weise. Für einmal handelt ein Familienfilm nicht von zerrütteten Verhältnissen, sondern von Freundschaft, Vertrauen und Liebe, die Mut macht.

Tsatsiki ist der achtjährige Held einer beliebten Kinderbuchreihe von Nonni Nilsson-Brännström. Mit ihm erleben wir, wie Kinder ihren Träumen oft mit einer optimistischen Entschlossenheit nachjagen, die sie viel stärker macht als es Erwachsene oft sind. Davon handelt ein überzeugender Familienfilm, der vor einem Jahr unter seinem Originaltitel «Tsatsiki, Mama und der Polizist» an den Nordischen Filmtagen in Lübeck und dann am Kinderfilmfest in Berlin sowie weiteren Festivals ausgezeichnet wurde und jetzt mit dem Titel «Tsatsiki, Tintenfische und erste Küsse» bei uns in die Kinos kommt. «Woher weiss man, ob man was richtig macht?» fragt Tsatsiki seinen Freund Göran, den Polizisten, der als Untermieter in die Wohnung seiner alleinerziehenden Mutter einzieht. «Das Herz schreit laut, egal, was der Kopf sagt», lautet die Antwort, die auch das Motto des Films sein könnte.
Tsatsiki heisst eigentlich Tobias Johannson und lebt in Schweden mit seiner ziemlich unkonventionellen, etwas chaotischen, aber liebevollen Mutter Tina, Gitarristin in einer jungen Band, die vom grossen Erfolg träumt. Ein vergilbtes Foto von einem jungen Fischer an der Wand seines Zimmers zeugt von seiner südländischen Herkunft. Tatsächlich träumt Tobias immer von Griechenland, wo sein Vater zu Hause ist, weshalb ihn seine Freunde «Tsatsiki» nennen. Allzu gern würde Tsatsiki den Vater besuchen, der nicht weiss, dass er einen Sohn hat, und mit ihm nach Tintenfischen tauchen. Und dafür trainiert er, indem er versucht, so lange wie möglich die Luft anzuhalten. Tina dagegen sorgt sich um den Erfolg ihrer Musikband. Tsatsikis Klassenkameraden sind grosse Fans von ihr, vor allem wegen eines «Auftritts» im Lehrerzimmer, bei dem sie dem Direktor gehörig die Meinung gesagt hat, nachdem Tsatsiki mal wieder von dem älteren Märten verprügelt worden ist.
Als Tsatsiki eines Tages bei einem seiner Tauchversuche den jungen Polizisten Göran kennenlernt, der nach Stockholm versetzt worden ist und sich auf Wohnungssuche befindet, findet er Unterstützung bei seinem Plan, den Vater in Griechenland zu besuchen – ganz abgesehen davon, dass Göran gut kochen kann, ihm das Tanzen beibringt und auch Gefallen an Tina findet. Nachdem sie für ihre Band einen Plattenvertrag erhalten hat, geht endlich auch Tsatsikis Traum in Erfüllung: Obwohl sie von einem Wiedersehen mit Tsatsikis Vater, der nur ein flüchtiger Ferienflirt gewesen ist, nichts wissen will, macht sie sich mit ihrem Sohn auf den Weg nach Griechenland, wo sie überraschende Begegnungen erleben.

Hans Hodel, Filmbeauftragter der Reformierten Medien

Regie: Ella Lemhagen, Schweden 1999