Les destinées sentimentales

Empfindungen und Schicksale sprengen den Rahmen der gesellschaftlichen Konvention. Nach einem Generationenroman von Jacques Chardonne hat Olivier Assayas einen sehr intimen und berührenden Kostümfilm gedreht. In drei episch angelegten Kapiteln schildert er die Geschichte des protestantischen Pfarrers Jean Barnery, der auf einem Ball Pauline kennenlernt. Die Begegnung mit Pauline verändert sein Leben schicksalshaft. Er trennt sich von seiner Gattin Nathalie und verlässt seine Gemeinde. Nach einer Krankheit kommt er zur Genesung nach Paris zurück, trifft Pauline wieder und fährt mit ihr in die Schweiz. Das Paar erfährt die Enge des protestantischen Verantwortungsgefühls und das Schicksal der unbedingten Liebe. Gemeinsam durchleben sie die ersten dreissig Jahre des 20. Jahrhunderts; mit den tragischen Umwälzungen einer Welt, die von der unheilbaren Wunde des Ersten Weltkrieges und von tiefgreifenden marktwirtschaftlichen Veränderungen geprägt ist. Die brillante Erzählform, die präzise historische Situierung und die bemerkenswerte Schauspielführung machen dieses Zeitgemälde zu einem nachhaltigen Erlebnis.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

Frankreich / Schweiz 2000, Regie: Olivier Assayas
Besetzung: Emanuelle Béart, Charles Berling, Isabelle Hupert