Lumumba

Von Raoul Peck (F / B / Haïti 2000)

Der Film nimmt das Ende der Geschichte vorweg: Drei Männer fahren durch die Nacht, um irgendwo in der Steppe die Leiche des ermordeten Patrice Lumumba verschwinden zu lassen. In der anschliessenden Rückblende wird das kurze Leben des charismatischen kongolesischen Freiheitskämpfers erzählt: 1960 erlangt Kongo die Unabhängigkeit von der ehemaligen Kolonialmacht Belgien, und der erst 36-jährige Autodidakt Lumumba wird erster Präsident der neuen, noch labilen Demokratie. Kaum zwei Monate im Amt, fällt der brillante Redner und idealistische Prophet eines freien, geeinten Afrika jedoch einem politisch motivierten Mord zum Opfer, dessen Umstände bis heute nicht aufgeklärt sind. Der Film, eine Fiktion basierend auf einer wahren Geschichte, beleuchtet den privaten und politischen Werdegang Lumumbas vom gefolterten Gefängnisinsassen bis zum gefeierten, jedoch nie unumstrittenen Staatsoberhaupt.

Als eine leicht zum Pathos neigende Hagiographie eines Leaders, der zum Mythos und Märtyrer für Afrika geworden ist, vermag der Film nicht in jeder Hinsicht zu überzeugen. Betrachtet man ihn aber darüber hinaus als Illustration des komplexen politischen Prozesses der Demokratisierung; als Geschichte eines Mannes, der in der Wirrnis eines post-kolonialen Staates an den Intrigen, Ränkespielen und Machtgelüsten verschiedenster nationaler und internationaler Interessengruppen scheitert, dann wird er zum aufschlussreichen Lehrstück. Ein spannendes und in jedem Fall sehenswertes Dokument über die jüngere afrikanische Geschichte, über ein Land auf dem hindernisreichen Weg zur Demokratie.

Dorothea Lanz
Fachstelle «Filme für EINE Welt»