Stadt der Tiere
Der Blickwinkel von Tieren auf eine Stadt ist seltsam und bezaubernd zugleich. Frédéric Gonseth und Catherine Azad haben sich in der westindischen Stadt Jaipur auf die Spurensuche nach dem Verhältnis von Tier und Mensch gemacht. Es ist ein völlig faszinierendes Indien, das hier gezeigt wird, ein unvorstellbar dichtes Nebeneinander und Miteinander von Wild- und Nutztieren, Kühen, Affen, Schlangen, Vögeln, Schweinen, Ziegen, Eseln und Elefanten, jeweils verwoben mit dem Sozialnetz der hier lebenden Stadtmenschen. Die Widersprüche des Kastensystems werden ebenso sichtbar wie die alltägliche Tierverehrung der hinduistischen Gläubigen. «Ohne Tiere gibt es kein Paradies» sagt ein Brahmane und bringt damit die Theologie und die Lebensethik des Hinduismus auf den Punkt. Der Dokumentarfilm ist eine gelungene Mischung aus ethnographischer Studie und staunendem Erzählen.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Stadt der Tiere» («Animal City»), Schweiz 2000, Regie: Frédéric Gonseth, Catherine Azad, Besetzung: Tiere, Verleih: Frédéric Gonseth, La Croix / Lutry.
